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Tanzgeschichte Überblick

Wenn man die Geschichte des Tanzes aus esoterischer Sicht erklären will, dann ist Tanz schlichtweg Bewegung, und somit die Entstehung und auch die Evolution des gesamten Universums ein einziger Tanz (indische Mythologie – Gott Shiva, Erschaffer des Universums, wird in einer tänzerischen Pose dargestellt).

Wenn man sich aber auf den Tanz in Bezug auf die Menschheit beschränken will, dann beginnt die Geschichte, als sich um 200 000 vor Christi Geburt in Ostafrika der Frühmensch zum Homo Sapiens entwickelt und dann etwa 100 000 Jahre später erstmals eine Gruppe von Menschen Richtung Osten aufbricht und succesive alle Kontinente bevölkert.

In dieser Zeit, in der der Mensch also Nomade, Jäger und Sammler ist, ist seine Art der Wahrnehmung des Lebens ganz anders, als die des heutigen Menschen.

Man verwendet dafür meist das Wort primitiv – zB. primitive Kultur der indianischen Völker. Ich bevorzuge das Wort „intuitiv“ (Intuition ist eine übergeordnete Form von Intelligenz) für eine Lebensform, die sehr auf „spüren“ ausgerichtet ist und weniger auf „analytisch, berechnendes Denken“. Ich würde diese Form also keinesfalls als „weniger intelligent“ bezeichnen, sondern ganz im Gegenteil, als „mit sich selbst und der Umwelt im Einklang“, als „gottverbunden“ im weitesten Sinn. (Höhlenmalerei x Technik von Leonardo da Vinci!).

Und wirklich! Man nimmt an, dass Tanz in jener Zeit (und heute?!!) eine Art der Kommunikation mit Gott war, rhythmisch, ekstatisch und die Natur imitierend (z.B. Tiere), und dass dadurch Trancezustande erreicht wurden – also erweiterte Bewusstseinszustände, ähnlich den der afrikanische Yoruba-Kultur entstammenden Manifestationen wie z.B. Candomblé, Vodoo, oder Santería.

Erst später, als die verschiedenen Völker sesshaft wurden, entwickelten sich aus den intuitiven, ekstatischen Lebensäußerungen, RITUELLE Tänze mit klar definierten Motivationen, sprich um einen Effekt zu erzielen, wie das bei Fruchtbarkeitstänzen, Regentänzen usw. der Fall ist.

Danach entwickelt sich der Tanz ganz individuell je nach Kultur.

Die indianischen Völker in Nord- und Südamerika praktizieren bis heute – sofern ihnen der Lebensraum geblieben ist – die unterschiedlichsten rituellen Tänze.

Ebenso sind auf dem afrikanischen Kontinent diese Manifestationen bis heute erhalten.

Die indische Kultur ist bekannt für ihre haargenau aufgezeichneten Tempeltänze, kurz es entstehen auf allen Kontinenten Tanzformen der jeweiligen Kulturen, die man eben auf Grund von langzeitlicher Existenz traditionelle Tänze / Folklore nennt.

Zur Zeit der großen Imperien (grob gerechnet ~3500 v. Chr.G. > ~5. Jh.) wurde beispielsweise in Ägypten in erster Linie auf Beerdigungen getanzt, wie man auf Wandbildern und Vasen erkennen kann – sie zeigen den Tanz verbunden mit Kult- und Göttermythen – Tanz hatte also liturgischen Charakter.

Auch die griechischen Götter und ihre Anhänger musizierten und tanzten, bzw. findet der Tanz Verwendung in der griechischen Tragödie in Form von akrobatischem Tanztheater, während sich die Römer eher der Pantomime erfreuen.

Ekstatische Tänze, wie z.B. beim Dionysius-Kult (x Apollo, Harmonie) werden überliefert und praktiziert und finden sich im Mittelalter (500 – 1500 n.Chr.G.) in den heidnischen Kulttänzen wieder (frenetisch, orgastisch!) – gegen die sich das aufkommende Christentum heftig wehrt (Hexen tanzen Walpurgisnacht).

Da man dem Volk aber tanzen nicht verbieten kann, weil das einfach widernatürlich ist, werden von klugen Klerikern eigens für kirchliche Rituale geschaffene liturgische Tänze erlaubt (lieblich und fromm im Kreis…).

Um das 11. Jh. entsteht in Europa die sozial gebundene, „unkultische“ Tanzform ständischen Charakters – der Volkstanz, also „resche Bauerntänze“. Es sind diese Vorbild und Inspiration – bilden sozusagen das Fundament – für eine gemilderte Form, den Gesellschaftstanz – Zeitvertreib der adeligen Bevölkerung (Hofnarren sind die ersten Tanzlehrer; Pas de Chat des klass. Balletts ist eine dem bäuerlichen Volkstanz entnommener Tanzsprung).

Die ersten Aufführungen im Zeitalter der Renaissance wurden von der Hofgesellschaft selbst aufgeführt. (1581 Ballett Comique de la Raine = d. erste geschlossene Werk).

Auch zur Zeit des Barock waren die Ballette komischen Charakters, und wurden von den Adeligen selbst getanzt, ihre Leistung war aber auf Grund von schwerer Kleidung, Kostümen und Schuhabsätzen sehr eingeschränkt.

Ludwig der XIV(Sonnenkönig), bekannt als Tanzfanatiker – gründete mit Lully als Hofkomponisten, die erste Ballettschule in Paris (Academie Royal de Danse). In dieser Zeit wurde auch die Bühne (italienisch – erhöht, von einer Seite, im Gegensatz zu elisabethanisch – Tänzer von oben betrachtet, oder Arena – von allen Seiten) so definiert wie wir sie heute kennen.

Langsam ließen die Tänzer die störende schwere Kleidung weg, und ersetzten sie durch das Ballettröckchen „Tutu“ und den Sprungschuh.

Tänzer zu sein war jetzt ein Beruf, und das klassische Ballett entwickelte sich zu einer anspruchsvollen Tanztechnik.

Im 19. Jh. erfuhr das Romantische Ballett seine Hochblüte, es wird auf der „Spitze“ getanzt (also der Spitzenschuh verwendet), was den Tanz übernatürlich erscheinen lässt. Man inspiriert sich in Märchen, Poesie, Legenden und unglücklichen Liebesgeschichten, und bringt durch herausragende Technik in den Inszenierungen das Publikum zum träumen, verzaubert es. (Stücke wie Giselle, La Sylphide etc. werden bis heute in allen großen Opernhäusern aufgeführt – Staatsoper!)

Um 1900 wird das Ballett aber eben wegen seiner illusorischen Wirkung und der Flucht vor der Realität kritisiert, und es entsteht eine neue Form des Bühnentanzes, der MODERNER TANZ genannt wird. Isadora Duncan ist Vorreiterin, ihr künstlerisches Ziel sah sie in der tänzerischen Gestaltung seelischen Erlebens (Ausdruckstanz!).

Bedeutendste Vertreterin in Deutschland wurde Mary Wigman, sowie Kurt Jooss und Rudolf von Laban.

Ruth St. Denis und ihr Lebensgefährte Ted Shawn, sowie Doris Humphrey u. a. begründeten die amerikanische Schule. Die Vertreter des Modernen Tanzes wollen auf der Bühne die Realität darstellen, in der sie leben, inspirieren sich in Politik u. Philosophie (Avantgarde) und behandeln Themen wie Leben und Tod, Krieg, Industrialisierung usw. Sie sind auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen und Bewegungen, und es entwickeln sich neue Techniken wie Graham, Horton, Limon, etc. zum Erlernen des neuen Bewegungsvokabulars (Bodenarbeit, Kontraktionen etc.).

Um 1950 wiederum entsteht aus dem Modernen Tanz durch einen Schüler Martha Grahams – Merce Cunningham – sozusagen eine Gegenbewegung: der ZEITGENÖSSISCHE TANZ.

(wie so oft in der Geschichte wird die vorherrschende Strömung einer Epoche von einer sehr gegensätzlichen abgelöst – von Renaissance zu Barock, von Klassik zu Romantik).

So ist es auch hier der Fall, dass zeitgenössische Tänzer und Choreographen nicht unbedingt denselben Wunsch wie ihre Vorgänger hegen, mit Tanz etwas auszudrücken, oder ein Thema zu behandeln.

Merce Cunningham inszeniert seine Stücke zur Musik von John Cage – z.B. aufgenommener Straßenlärm und zeigt dazu absichtslose Bewegungsabläufe vor einem genialen Bühnenbild – surreal und intellektuell und von ganz eigenem Reiz.

In der heutigen Zeit charakterisiert sich der eben Zeitgenössische Tanz vor allem durch die ewige Suche nach Neuem, Innovativen.

Es besteht die Möglichkeit die unterschiedlichsten Tanzstile, also z.B. Ballett mit fernöstlicher Kampfkunst und Zirkuselementen zu mischen. Dadurch entstehen oft wieder neue Tanzrichtungen wie z.B. Afro-Contemporary, Tanztheater, usw.

Tradition geht einher mit Innovation und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Es wird also viel experimentiert, und daraus entstehen oftmals interessante Performances. Tänzer sind dadurch sehr gefordert, müssen vielseitig und qualitativ gut sein (ausdrucksstark, akrobatisch, flexibel, eigenständig kreativ u.v.m.).

Gleichzeitig wird heute der Bühnentanz „weniger tanztechnisch virtuosen“ Performern (spät zu tanzen begonnen, körperliche Limits und Einschränkungen) nicht vorenthalten, und so kommt es, dass der Tanz als künstlerischer Ausdruck wieder seinen Weg zum Einzelnen findet, und Kunst dadurch ihre eigentliche Rolle in der Entwicklung der Menschheit wieder einnimmt, nämlich dem Menschen ein Spiegelbild seiner selbst (Körper!), seines Lebens und seines Weltbildes zu vermitteln!

Unabhängig von der Entwicklung des Bühnentanzes gibt es natürlich im wahrsten Sinne des Wortes unzählige Tanzstile und Manifestationen, die als Tradition, Folklore, Volkstanz usw. gelten, und die auch alle mitunter vor Publikum präsentiert werden. Diese gilt es im Einzelnen zu behandeln und zu studieren.

Ich beschränke mich darauf einige der bekanntesten aufzuzählen wie z.B. Kolonialtänze wie die Quadrille, den Wiener Walzer, die Polka, die Mazurka, den Schuhplattler, französische Showtänze wie Cancan, den Foxtrott, den HulaHula aus Hawaii, den Charleston, den Jazztanz, Stepptanz, Rock’n Roll und den Twist, den griechischen Sirtaki, den Tanz der Derwische, der orientalische Bauchtanz, sowie natürlich spanische, südamerikanische und karibische Tänze, also Flamenco, Tango, Mambo, Rumba, Salsa, Calypso, sowie ChaChaCha, der brasilianische Samba und Kampftanz Capoeira, der Breakdance, Hiphop und Music Video Clipdance u.v.v.m.,

einfach um uns an die angeborene, wunderbare Kreativität des Menschen zu erinnern,

DIE ES GILT ZU LEBEN !!!